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#bib6 – Teil 2: Sessionbericht Citavi-Schulungen

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Das war sicher die Session* mit der klarsten praktischen Verbindung zu meinem Arbeitsalltag. Die Schulungen, die für Citavi (oder andere Literaturverwaltungsprogramme) angeboten werden, sind gefragt und sie sind sicher ein Bereich in dem wir als Bibliothekar_innen uns als Expert_innen fest etabliert haben. Das wurde auch bei dem Erfahrungsaustausch in der Session klar.

Die meisten Bibliotheken haben bei ihren Schulungen mit ähnlichen Herausforderungen zu tun. Die Anwesenden waren alle mit der Situation vertraut, vor einer Gruppe zu stehen, die einen sehr heterogenen Erfahrungshorizont hat. Neben Teilnehmer_innen, die bisher nie mit Literaturverwaltung gearbeitet haben und als erstes eine Einführung in die Installation des Programms benötigen, sitzen dann Leute, die frickelige Fragen zur Erstellung eigener Zitationsstile haben oder zum Import von Trefferlisten aus Datenbanken, die die gängigen Datenformate nicht unterstützen.

Wir haben dann verschiedene Lösungsansätze vorgestellt, die in den einzelnen Bibliotheken genutzt werden oder geplant sind:

  • Getrennte Angebote für Einsteiger_innen und Fortgeschrittene: eine Lösung, die einfach wirkt, aber den Nachteil hat, dass sie unter Umständen an den Bedürfnissen der Teilnehmer_innen vorbei geht. Diese möchten nicht warten, bis „ihre“ Veranstaltung wieder angeboten wird, sie möchten ihre Fragen dann beantwortet haben, wenn sie auftauchen, nicht wenn es in den Zeitplan der Bibliothek passt. Besonders wenn Fragen zu laufenden Projekten anstehen, deren Abgabetermin näher rückt, ist das nur verständlich. Für die Nutzer_innen, die sich nur allgemein informieren möchten, kann diese Lösung trotzdem passen.
  • Einzelberatung in Sprechstunden und/oder auf Anfrage: Einzeltermine für dringende Fragen und regelmäßige Sprechstunden können eine gute Ergänzung zu den Gruppenangeboten sein. Damit wird dem Bedürfnis der Nutzer_innen nach Beratung „Just-in time“ Rechnung getragen.
  • Teamteaching: Ein ganz anderer Ansatz, der auch noch andere didaktische Vorteile hat, ist das Teamteaching. Die Arbeit mit zwei Dozent_innen erlaubt es, auf das unterschiedliche Tempo und Vorwissen der Teilnehmer_innen einzugehen. Besonders effektiv lässt sich das sicher in einem Konzept umsetzen, dass stark auf aktivierende Methoden ausgerichtet ist, da es auch hier eine bessere individuelle Betreuung sicher stellt.
  • Support nutzen: Bei sehr speziellen oder komplexen Problemen kann es nicht schaden, auf die Unterstützung durch den Support zu verweisen. Wissenslücken sind keine Schwäche, wenn man soverän und offen mit den eigenen Grenzen umgeht.  Und auch für unsere Nutzer_innen ist es hilfreich, zu erfahren, wo sie zusätzlich schnelle und kompetente Hilfe bekommen können.

Diese Ansätze müssen nicht als entweder/oder gewählt werden, sie können sich auch sehr effektiv ergänzen. Da einige der Sessionteilnehmer_innen zur Zeit neue Wege ausprobieren und unterschiedliche Konzepte umsetzen hoffe ich auf einen guten Austausch. Eine Möglichkeit zum Austausch der Konzepte hat Patrick vorgestellt, es gibt ein Citavi-Forum speziell für Trainer_innen. Auch die Plattform Literaturverwaltung & Bibliotheken ist eine gute Ressource rund um Fragen zur Literaturverwaltung.

Oft bestehen die Gruppen in Schulungen zur Literaturverwaltungsprogrammen nicht nur aus Leuten mit unterschiedlichen Vorkenntnissen, auch die Fächer, aus denen sie kommen, unterscheiden sich stark. Das kann bei größeren Gruppen dazu führen, dass einzelne Teilnehmer_innen der Veranstaltung mit weniger Interesse folgen, wenn sie z.B. keinen Bezug zu dem gewälten Beispielprojekt sehen. Hier könnte eine Lösung die Wahl ungewöhnlicher Projektthemen sein, als Beispiele wurden Kochbücher oder Zombies (wer errät, von wem dieses Beispiel gebracht hat, bekommt vielleicht einen Keks) genannt. Eine andere Möglichkeit ist das Angebot von Veranstaltungen für spezifische Zielgruppen (z. B. „Literaturverwaltung für Mediziner_innen“ oder Besuche von Doktorandenkolloquien einzelner Fächer). Welche Lösungen hier gewält werden, hängt sicher auch von den personellen, räumlichen und zeitlichen Gegebenheiten der einzelnen Bibliotheken ab.

Eine Frage, die in dieser Session zurückgestellt wurde, da der Schwerpunkt auf Citavi-Schulungen lag, war die Frage nach anderen Literaturverwaltungsprogrammen.**  Da ich zur Zeit darüber nachdenke, wie eine Veranstaltung aussehen könnte, in der es um die Unterstützung der Nutzer_innen bei der Auswahl geeigneter Literaturverwaltungsprogramme geht, ist das vielleicht ein Thema für einen späteren Beitrag.

Inzwischen hat Matti einen ersten lesenswerten Beitrag zu den verschiedenen Sessions auf dem BibCamp 6 veröffentlicht, die sich mit dem Thema Literaturverwaltung im engeren und weiteren Sinn beschäftigt haben.

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* Da seit der Session schon eine Woche vergangen ist, enthält dieser Bericht nicht nur die Ergebnisse der Diskussion, die von Patrick geleitet und von Matti dokumentiert wurde (an beide nochmal ein großes Dankeschön für die gute Arbeit) sondern einige Gedanken, die mir seitdem gekommen sind. Außerdem möchte ich mich auf die Frage der heterogenen Zusammensetzung der Gruppen in den Schulungen beschränken.

** Es gab zu diesem Thema am zweiten Tag noch eine Session, die ich wegen der fehlenden Cloningstation leider nicht besucht habe. Ich hoffe, hier folgt noch die Dokumentation.                 

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#bib6 – Teil 3: Sessionreflexion Humor

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„Bitte nimm mich so ernst, wie ich es verdiene, und meine Äußerungen so wenig, wie sie es verdienen. Oder umgekehrt, je nach dem!“

Erinnert Ihr Euch? Vor einigen Wochen war ich auf dem BibCamp 6 und habe einiges an Elan und Ideen mitgebracht. Und dann habe ich öffentlich versprochen, mehr als zwei Blogartikel darüber zu schreiben. Obwohl ich weiß, dass mein Schreibfluß versiegt, wenn ich solche Versprechen mache. Aber heute habe ich Urlaub und Lust zu schreiben, also packe ich die Gelegenheit beim Schopfe und berichte ein wenig über die Session zum Thema Humor, die ich angeboten habe. Oder besser, ich möchte Euch hier noch einmal mein Herz ein wenig öffnen und Euch an meinen Überlegungen rund um das Thema Humor in Bibliotheken teilhaben lassen. Die inhaltliche Dokumentation der Session ist hier zu finden. Mein Storify dazu ist hier.

Erwartungsvolle Runde

Erwartungsvolle Runde

Das Thema lag für mich schon länger in der Luft. Mir fällt es so häufig schwer, sachlich und ernst zu bleiben, dass mir eigentlich nichts anderes übrig bleibt als so zu tun, als gäbe es gute didaktische Gründe dafür, Humor auch in der Vermittlung von Informationskompetenz einzusetzen. Andererseits werde ich aber auch sehr gerne mal nervös, besonders wenn ich zu häufig höre, dass das was ich tue unangemessen oder albern sei. Dann reagiere ich ein wenig wie das Kaninchen vor der Schlange und meine Veranstaltungen werden steif und öde. Daher hatte ich auch die Hoffnung, mir von Kolleg_innen in der Session Rückendeckung zu holen.

Mit einigem Abstand wird mir immer mehr klar, dass das Thema, ob und wie ich Humor beruflich einsetze sehr eng mit zwei Dingen verbunden ist. Zum einen mit der Frage der didaktischen Reduktion und zum anderen mit meinem Selbstbild als Bibliothekarin.

Wir* stehen bei unseren Veranstaltungen häufig vor dem Problem, dass  wir die Teilnehmer_innen nur für diese eine Veranstaltung sehen und glauben dann, dass wir die Gelegenheit nutzen müssen, ihnen möglichst viel Wissen zu vermitteln. Wir glauben, dass wir nur diese eine Chance haben, Studierenden alles, was sie zur Bibliothek wissen müssen beizubringen. Dabei besteht dann die Gefahr, dass wir die Ärmsten mit Folie nach Folie bombardieren, mehrere Datenbanken demonstrieren und dann nochmal ein paar Folien mehr einbauen. Da bleibt dann wenig Zeit für echte Aktivitäten der Teilneher_innen und auch nicht für den Aufbau einer Beziehung mit ihnen. Wenn Humor aber nicht nur ein Gimmick in bibliothekarischen Veranstaltungen sein soll, ist genau hier der angemessene Platz: im Aufbau einer guten Beziehung zu unseren Nutzer_innen. Neunzig Minuten reichen bei weitem nicht aus, Leuten alles über die Bibliothek zu vermitteln, aber vielleicht dazu, ihnen zu zeigen, dass wir als Bibliothekar_innen zugänglich und offen sind?  Dann müssen wir aber auch wirklich konsequent bereit sein, unsere Inhalte zu verschlanken und immer wenn wir neue Inhalte aufnehmen alte dafür aufgeben und nicht in den Trugschluß verfallen: DAS IST ABER ALLES WICHTIG! Wir können uns dann ja mal überlegen, welche anderen Möglichkeiten wir haben, dieses wichtige Wissen abrufbereit und zielgerichtet den Nutzer_innen zur Verfügung zu stellen.

Die andere Seite, die mich beschäftigt, ist mein Selbstbild als Bibliothekarin. Ich möchte natürlich nicht die fiese Person sein, deren ärgerliches „pssst“ Angst und Schrecken unter unbotmäßigen Nutzer_innen verbreitet. Wenn kichernde und schwätzende Horden neuer Nutzer_innen die Bibliothek betreten, möchte ich, dass sie mich mit einem freundlichen Lächeln an der Info sitzen sehen und sofort wissen: „Diese nette Bibliothekarin ist da um uns zu helfen, sie mag uns und daher sollten wir jetzt leise und respektvoll sein. Außerdem verhindern wir dadurch, dass sie uns mit ihren bibliothekarischen Superkräften© verfolgt und jedes Fehlverhalten auf schmerzhafte aber ironisch angemessene Art bestraft.“ Wenn mir ein_e erfahrenere Kolleg_in verreaten kann, wie ich das erreichen kann sind Vorschläge in den Kommentaren willkommen.

Und jetzt kommt eine kleine Liste von Dingen und Leuten, die mich in letzter Zeit oder schon seit längerem inspirieren:

Ich werde an dem Thema dran bleiben.

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*Das ist kein reiner Pluralis Majestatis sondern ein etwas schwammiges bibliothekarisches „wir“, gebildet aus meinen eigenen Erfahrungen und den Teilen von Diskussionen und Gesprächen mit Fachkolleg_innen, die mir in den Kram passen.

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