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#science20bib – Ungekämmte Gedanken

Ein Poster hat in Verbindung mit dem einleitenden Vortrag von Klaus Tochtermann und anderen Projekten, die bei der Fortbildung zu Science 2.0 vorgestellt wurden, zu einer Gedankenverbindung bei mir geführt. Diese Idee ist mir erst auf der Heimfahrt nach der Veranstaltung gekommen während der Zusammenfassung meiner Notizen so weit gediehen, dass sie eine fassbare Form angenommen hat. Wahrscheinlich ist sie auch gar nicht neu, aber ich möchte sie doch gerne hier festhalten. Sie beruht eben nicht auf einer ausführlichen Beschäftigung mit dem Thema, sondern getreu des Mottos meiner Blogaktivitäten auf ungekämmten Gedanken.

Es geht um das Forschungsprojekt von Isabella Peters zu den nutzergenerierten Metadaten. Nutzergenerierte Metadaten sind eine Idee, die in vielen bibliothekarischen Gehirnen eher negative Reaktionen („die Idee ist doch tot“ oder Angst um die Reinheit unserer tollen Daten) hervorruft. Isabella Peters hat die Idee aber mit viel Enthusiasmus und im Bewußtsein dieser Reaktionen vorgestellt und dabei die richtigen Fragen gestellt: Wie bekommen wir die Nutzer_innen überhaupt dazu, Metadaten für uns* zu „generieren“? Welche Anreize benötigen sie? Die Idee, die mir auf der Heimfahrt dazu gekommen ist, ist zu schauen, wo Nutzer_innen bereits öffentlich sichtbar mit unseren* Daten arbeiten. Wo finden sich Menschen, die nicht nur gerne Fotos ihre Katzen und des Mittagessens teilen, sondern auch Wissen? Eine einfache Antwort ist bei Wikipedia und in Wissenschaftsblogs. Im Vortrag von Klaus Tochtermann wurden einige Beispiele genannt, wie Informationen zu Inhalten aus ECONSTORE öffentlich geteilt wurden. Wirklich Form angenommen hat die Idee aber, als ich mich dann gefragt habe, wie diese Menschen dazu bewegt werden könnten, für Kataloge und Datenbanken Inhalte zu generieren. Wenn ein Blogbeitrag geschrieben oder eine Quelle auf Wikipedia zitiert wird, sind die Autor_innen ja schon längst nicht mehr bei uns*. Also müssten wir* Ihnen einen Kanal von diesen Orten zurück zum Katalog bauen, der diese Informationen im Katalog einspeist. Ein Projekt ähnlich wie ScholarLib wäre da vielleicht sinnvoll.

Ich kann mir vorstellen, dass  Informationen wie „dieser Titel wurde in denWikipedia-Artikeln a, b und c als Referenz genutzt“ oder „Dieses Paper wurde in Blog X diskutiert“ einen Mehrwert beinhalten. Eine „Belohnung“ für die Autor_innen wäre dann z. B. ein Link von dieser Information zu ihrem Beitrag. Allerdings sollte das vielleicht nicht völlig automatisch geschehen. Ein Link aus dem Bibliothekskatalog zu meinem letzten Beitrag #science20bib – Notizen und Links da ich dort einen z.B. Literaturtip aus dem Vortrag von Prof Schulz aufgenommen habe, wäre sicher nicht unpassend. Wenn allerdings aus von der Titelanzeige zu Fifty Shades of Grey auf einen Eintrag in meinem anderen Blog über eine lustige Verwechselung des Titels mit Shades of Grey von Jasper Fforde verwiesen würde, wäre das vielleicht nicht optimal.

Ist die Idee brauchbar oder wird vielleicht längst an etwas vergleichbarem gearbeitet? Über Kommentare zu dem Thema würde ich mich freuen.

*Pluralis Bibliothekaris: Wir, die Biblitheksleute.

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#science20bib – Notizen und Links

Am 20.11.2013 fand in Hamburg die Fortbildung Science 2.0 in Bibliotheken – Ein neues Arbeitsfeld erfordert neue Kompetenzen! statt. Veranstalter waren die Norddeutschen Landesgruppen des BIB zusammen mit der ZBW. Hier möchte ich als Erinnerungsstütze und als Ausgangspunkt der Nachbereitung einige Notizen und Links zu den einzelnen Vorträgen sammeln.

Vorher aber noch ein Lob an die Organisation für die Rahmenbedingungen der Veranstaltung: Ich fand den Ablauf des Tages sehr gelungen, die Anzahl und Auswahl der Vorträge passte sehr gut und die Flankierung der Posterpräsentationen mit den Pausen hat ausreichend Zeit zum Austausch und zur Kommunikation geboten. Gerade bei Veranstaltungen, die eher auf Vorträge ausgerichtet sind, kommt das leider oft zu kurz und daher ist es mir hier besonders positiv aufgefallen. Und die Verpflegung war auch sehr gut!

Auf zu den Vorträgen.

Science 2.0 (Prof. Klaus Tochtermann)

Links:

Notizen:

Drei Herausforderungen:

  1. Neue Arbeitsgewohnheiten bei Wissenschaftler_innen: Als Beispiel die Aufarbeitung des EHEC-Ausbruchs in Norddeutschland. Nachdem die genetischen Informationen zum Erreger veröffentlicht wurden, fand in wissenschaftlichen Blogs und Wikis eine offene und kooperative fachliche Diskussion statt, daraus folgten dann „traditionelle“ Veröffentlichungen. Auch die früher im Vortrag genannten Beispiele zum Auftauchen von Papern aus ECONSTOR auf Twitter, in Blogs und in der Wikipedia verdeutlicht Veränderungen der Arbeitsweisen.
  2. Technologien: Vom Lesesaal, wo die Kund_innen die Bibliothek räumlich aufgesucht haben über virtuelle Bibliotheken, die es ihnen ermöglicht haben, die Angebote von zu Hause oder dem Arbeitsplatz aus aufzusuchen zu neuen Wegen, die es den Bibliotheken und Informationsdienstleistern ermöglichen, diesen Weg umzukehren und die Kund_innen aufzusuchen. „Bring the Content to the user.“
  3. Nutzerforschung: Welche Nutzergruppen lassen sich identifizieren und wie gehen sie mit den Möglichkeiten, die Science 2.0 bietet um? Was bedeutet das für Bibliotheken? Es lassen sich vier Social Media Typen identifizieren:
    • Ms Maker
    • Mr Tech
    • Mr Classic
    • Mr Nerd
Web 2.0 in der Wissenschaft (Vertretung der eigentlich angekündigten Referentin, der Name wird Nachgetragen)

Link:

Notizen:

Der Blick auf die Nutzer_innen wurde mit einer ausführlichen Studie aus Sachsen fortgeführt. Neben dem Datenreport 2012 wurden auch schon erste Ergebnisse aus 2013 vorgestellt. Die Zahlen dieser Studie können sicher gut dazu dienen, die eigene Wahrnehmung der Bedeutung von Web 2.0 für die Forschung mit der Realität abzugleichen. Das Netzwerk war auch bei der Posterpräsentation vertreten.

10 Jahre Usability-Evaluation virtueller Bibliotheken (Prof Ursula Schulz)

Link:

Notizen:

Prof. Schulz macht in ihrem Vortrag einen Schritt zurück von der Science 2.0 und zeigt einige der Fehler auf, die Bibliotheken im Umgang mit dem Netz 1.0 gemacht haben und immer noch machen. Von der Kritik an den Webseiten und Katalogen schlägt sie den Bogen zu den neuen Discovery-Systemen und fordert hier bessere (d.h. vollständige und nützliche) Daten. Zwei Beispiele für unbefriedigende Datengrundlagen sind die Sprachcodes und wenig hilfreiche thematische Einschränkung.

Durch mein eigenes Studium bei ihr waren mir diese Thesen schon gut bekannt, aber so lange sich keine Verbesserungen zeigen, werde ich sie wahrscheinlich auch noch häufiger hören. Der leidenschaftlich gehaltene Vortrag hat auf jeden Fall für Gespräche gesorgt.

Interessanter Literaturhinweis: Redish, Janice (2012): Letting go of the words. Writing web content that works. 2nd ed. Waltham, MA: Morgan Kaufmann.

ScholarLib (Peter Mutschke)

Link:

Notizen:

In diesem Vortrag ging es darum, in beide Richtungen laufende Verbindungen zwischen Informationsangeboten und sozialen Netzwerken zu erstellen. ScholarLib ist ein Beispiel dafür, eine Facebook-App, mit der sich die Informationsangebote von Gesis nutzen lassen. Peter Mutschke hat bei der Posterpräsentation auch ein Forschungsprojekt vorgestellt, dass sich mit der Persistenz von wissenschaftlichen Inhalten im Social Web beschäftigt.

Vernetzung, Sichtbarkeit, Information (Dr. Cornelius Puschmann)

Da der Dozent eine etwas längere Version der Präsentation auf Slideshare bereitstellt, binde ich diese hier ein.

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