#science20bib – Ungekämmte Gedanken

Ein Poster hat in Verbindung mit dem einleitenden Vortrag von Klaus Tochtermann und anderen Projekten, die bei der Fortbildung zu Science 2.0 vorgestellt wurden, zu einer Gedankenverbindung bei mir geführt. Diese Idee ist mir erst auf der Heimfahrt nach der Veranstaltung gekommen während der Zusammenfassung meiner Notizen so weit gediehen, dass sie eine fassbare Form angenommen hat. Wahrscheinlich ist sie auch gar nicht neu, aber ich möchte sie doch gerne hier festhalten. Sie beruht eben nicht auf einer ausführlichen Beschäftigung mit dem Thema, sondern getreu des Mottos meiner Blogaktivitäten auf ungekämmten Gedanken.

Es geht um das Forschungsprojekt von Isabella Peters zu den nutzergenerierten Metadaten. Nutzergenerierte Metadaten sind eine Idee, die in vielen bibliothekarischen Gehirnen eher negative Reaktionen („die Idee ist doch tot“ oder Angst um die Reinheit unserer tollen Daten) hervorruft. Isabella Peters hat die Idee aber mit viel Enthusiasmus und im Bewußtsein dieser Reaktionen vorgestellt und dabei die richtigen Fragen gestellt: Wie bekommen wir die Nutzer_innen überhaupt dazu, Metadaten für uns* zu „generieren“? Welche Anreize benötigen sie? Die Idee, die mir auf der Heimfahrt dazu gekommen ist, ist zu schauen, wo Nutzer_innen bereits öffentlich sichtbar mit unseren* Daten arbeiten. Wo finden sich Menschen, die nicht nur gerne Fotos ihre Katzen und des Mittagessens teilen, sondern auch Wissen? Eine einfache Antwort ist bei Wikipedia und in Wissenschaftsblogs. Im Vortrag von Klaus Tochtermann wurden einige Beispiele genannt, wie Informationen zu Inhalten aus ECONSTORE öffentlich geteilt wurden. Wirklich Form angenommen hat die Idee aber, als ich mich dann gefragt habe, wie diese Menschen dazu bewegt werden könnten, für Kataloge und Datenbanken Inhalte zu generieren. Wenn ein Blogbeitrag geschrieben oder eine Quelle auf Wikipedia zitiert wird, sind die Autor_innen ja schon längst nicht mehr bei uns*. Also müssten wir* Ihnen einen Kanal von diesen Orten zurück zum Katalog bauen, der diese Informationen im Katalog einspeist. Ein Projekt ähnlich wie ScholarLib wäre da vielleicht sinnvoll.

Ich kann mir vorstellen, dass  Informationen wie „dieser Titel wurde in denWikipedia-Artikeln a, b und c als Referenz genutzt“ oder „Dieses Paper wurde in Blog X diskutiert“ einen Mehrwert beinhalten. Eine „Belohnung“ für die Autor_innen wäre dann z. B. ein Link von dieser Information zu ihrem Beitrag. Allerdings sollte das vielleicht nicht völlig automatisch geschehen. Ein Link aus dem Bibliothekskatalog zu meinem letzten Beitrag #science20bib – Notizen und Links da ich dort einen z.B. Literaturtip aus dem Vortrag von Prof Schulz aufgenommen habe, wäre sicher nicht unpassend. Wenn allerdings aus von der Titelanzeige zu Fifty Shades of Grey auf einen Eintrag in meinem anderen Blog über eine lustige Verwechselung des Titels mit Shades of Grey von Jasper Fforde verwiesen würde, wäre das vielleicht nicht optimal.

Ist die Idee brauchbar oder wird vielleicht längst an etwas vergleichbarem gearbeitet? Über Kommentare zu dem Thema würde ich mich freuen.

*Pluralis Bibliothekaris: Wir, die Biblitheksleute.

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#science20bib – Notizen und Links

Am 20.11.2013 fand in Hamburg die Fortbildung Science 2.0 in Bibliotheken – Ein neues Arbeitsfeld erfordert neue Kompetenzen! statt. Veranstalter waren die Norddeutschen Landesgruppen des BIB zusammen mit der ZBW. Hier möchte ich als Erinnerungsstütze und als Ausgangspunkt der Nachbereitung einige Notizen und Links zu den einzelnen Vorträgen sammeln.

Vorher aber noch ein Lob an die Organisation für die Rahmenbedingungen der Veranstaltung: Ich fand den Ablauf des Tages sehr gelungen, die Anzahl und Auswahl der Vorträge passte sehr gut und die Flankierung der Posterpräsentationen mit den Pausen hat ausreichend Zeit zum Austausch und zur Kommunikation geboten. Gerade bei Veranstaltungen, die eher auf Vorträge ausgerichtet sind, kommt das leider oft zu kurz und daher ist es mir hier besonders positiv aufgefallen. Und die Verpflegung war auch sehr gut!

Auf zu den Vorträgen.

Science 2.0 (Prof. Klaus Tochtermann)

Links:

Notizen:

Drei Herausforderungen:

  1. Neue Arbeitsgewohnheiten bei Wissenschaftler_innen: Als Beispiel die Aufarbeitung des EHEC-Ausbruchs in Norddeutschland. Nachdem die genetischen Informationen zum Erreger veröffentlicht wurden, fand in wissenschaftlichen Blogs und Wikis eine offene und kooperative fachliche Diskussion statt, daraus folgten dann „traditionelle“ Veröffentlichungen. Auch die früher im Vortrag genannten Beispiele zum Auftauchen von Papern aus ECONSTOR auf Twitter, in Blogs und in der Wikipedia verdeutlicht Veränderungen der Arbeitsweisen.
  2. Technologien: Vom Lesesaal, wo die Kund_innen die Bibliothek räumlich aufgesucht haben über virtuelle Bibliotheken, die es ihnen ermöglicht haben, die Angebote von zu Hause oder dem Arbeitsplatz aus aufzusuchen zu neuen Wegen, die es den Bibliotheken und Informationsdienstleistern ermöglichen, diesen Weg umzukehren und die Kund_innen aufzusuchen. „Bring the Content to the user.“
  3. Nutzerforschung: Welche Nutzergruppen lassen sich identifizieren und wie gehen sie mit den Möglichkeiten, die Science 2.0 bietet um? Was bedeutet das für Bibliotheken? Es lassen sich vier Social Media Typen identifizieren:
    • Ms Maker
    • Mr Tech
    • Mr Classic
    • Mr Nerd
Web 2.0 in der Wissenschaft (Vertretung der eigentlich angekündigten Referentin, der Name wird Nachgetragen)

Link:

Notizen:

Der Blick auf die Nutzer_innen wurde mit einer ausführlichen Studie aus Sachsen fortgeführt. Neben dem Datenreport 2012 wurden auch schon erste Ergebnisse aus 2013 vorgestellt. Die Zahlen dieser Studie können sicher gut dazu dienen, die eigene Wahrnehmung der Bedeutung von Web 2.0 für die Forschung mit der Realität abzugleichen. Das Netzwerk war auch bei der Posterpräsentation vertreten.

10 Jahre Usability-Evaluation virtueller Bibliotheken (Prof Ursula Schulz)

Link:

Notizen:

Prof. Schulz macht in ihrem Vortrag einen Schritt zurück von der Science 2.0 und zeigt einige der Fehler auf, die Bibliotheken im Umgang mit dem Netz 1.0 gemacht haben und immer noch machen. Von der Kritik an den Webseiten und Katalogen schlägt sie den Bogen zu den neuen Discovery-Systemen und fordert hier bessere (d.h. vollständige und nützliche) Daten. Zwei Beispiele für unbefriedigende Datengrundlagen sind die Sprachcodes und wenig hilfreiche thematische Einschränkung.

Durch mein eigenes Studium bei ihr waren mir diese Thesen schon gut bekannt, aber so lange sich keine Verbesserungen zeigen, werde ich sie wahrscheinlich auch noch häufiger hören. Der leidenschaftlich gehaltene Vortrag hat auf jeden Fall für Gespräche gesorgt.

Interessanter Literaturhinweis: Redish, Janice (2012): Letting go of the words. Writing web content that works. 2nd ed. Waltham, MA: Morgan Kaufmann.

ScholarLib (Peter Mutschke)

Link:

Notizen:

In diesem Vortrag ging es darum, in beide Richtungen laufende Verbindungen zwischen Informationsangeboten und sozialen Netzwerken zu erstellen. ScholarLib ist ein Beispiel dafür, eine Facebook-App, mit der sich die Informationsangebote von Gesis nutzen lassen. Peter Mutschke hat bei der Posterpräsentation auch ein Forschungsprojekt vorgestellt, dass sich mit der Persistenz von wissenschaftlichen Inhalten im Social Web beschäftigt.

Vernetzung, Sichtbarkeit, Information (Dr. Cornelius Puschmann)

Da der Dozent eine etwas längere Version der Präsentation auf Slideshare bereitstellt, binde ich diese hier ein.

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#bib6 – Teil 5: Sessionbericht Show and Tell und Fazit

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Dies ist der letzte Teil zum Bibcamp 6 in Nürnberg*. Da mein Gedächtnis nicht perfekt ist, bin ich sehr froh, dass ich ausgiebig Notizen gemacht habe. Ich berichte von der letzten Session, die ich besucht habe und leite abschließend elegant zu meinem Fazit (Spoiler: Ich fand das BibCamp wirklich sehr gelungen) über.

Show und Tell:

Diese Session wurde von Anna Zschokke (@nightlibrarian) charmant  geleitet. Für mich war diese kleine aber feine Runde ein perfekter Abschluß des BibCamps. Wir hatten die Gelegenheit uns bibliotheksnahe und -ferne Dinge gegenseitig ans Herz zu legen. Eine Aufstellung der vorgestellten Dinge findet sich in der Sessiondokumentation. Auf den ersten Blick gibt es von den meisten der vorgestellten Dinge keinen direkten praktischen Nutzen für meinen Arbeitsalltag, aber je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr Verbindungen und praktische Anwendungsmöglichkeiten zeigen sich. Ich kann inzwischen einige Bögen schlagen und Querverbindungen ziehen, sowohl zu einigen der Sessions, die ich besucht habe als auch zu meinem Alltag:

Die Strickcommunity Ravelry, die Anna selbst vorgestellt hat, ist ein sehr schönes Beispiel für eine internationale Community die auch nationale (bzw. sprachliche) und lokale Untergruppen einschließt und die auf einer geteilter Leidenschaft basiert. Sie bietet die Möglichkeit eines kollaborativen Netzwerks und des fachlichen Austauschs. Etwas, was auch die wissenschaftlichen sozialen Netzwerke erreichen wollen, die Thema in einer Session am Freitag waren. Und natürlich greift es auch wieder das Thema Kreativität auf, das sich für mich durch diesen zweiten Tag zog.

Tell Tale Board

Tell Tale Board

Über die Vorstellung des Guerilla Gardenings sind wir dann zum Maker Movement und darüber zum thingiverse  gekommen. Hier ist der Bogen zur Kreativität auch wieder leicht geschlagen. Und zu vielen anderen Dingen, die zeigen, was möglich ist, wenn Menschen mit Leidenschaft und Spaß gemeinsame Ziele verfolgen. Im Arbeitsalltag vergesse ich manchmal, dass Leidenschaft und Spaß zwei meiner Motivationen waren, den Beruf der Bibliothekarin zu ergreifen. In dieser Session und auf dem gesamten BibCamp bin ich wieder daran erinnert worden.

Von den bibliotheksbezogenen Dingen möchte ich besonders auf das Videoprojekt der MDZ Bibliothek der pädagogischen Hochschule Thurgau eingehen. Diese Videos bringen den Nutzer_innen kurz und lustig verschiedene Aspekte des Bibliotheksalltags näher. Zum Beispiel die Antwort auf die in vielen Bibliotheken oft gestellte Frage: Wo ist die Toilette?

Hier ist der Bogen zur Frage, wie sich Humor in Bibliotheken einsetzen lässt schnell geschlagen, aber es gibt auch eine Verbindung zu der Session Neue Dienstleistungen in Bibliotheken – Prototyping mit LEGO die ich am Morgen besucht hatte. Eine Gruppe hatte dort die Idee einer Kurzvideoplattform um Services zu erklären und ich kann mir die Videos dieses Projekts sehr gut als Inhalt einer solchen Videoplattform vorstellen.

 

Fazit

Den Grundtenor meines Fazits habe ich ja schon oben im Spoiler verraten. Das BibCamp 6 war rundum gelungen, ich hatte sehr viel Spaß und vieles, was ich dort erlebt hatte, hat mich seitdem schon motiviert und befruchtet. Ich habe viele Ideen und neuen Schwung mit nach Lüneburg genommen.

Mir bleibt nur ein großer Dank an das fantastische und fantastisch gut gelaunte Orgateam; an alle Moderator_innen der Sessions, die ich besucht habe; an alle, die an meiner Session teilgenommen und soviel gelacht haben und an alle, die so eifrig die verschiedenen Sessions dokumentiert haben, das hat etwas den einzigen Nachteil des BibCamps ausgeglichen. Diese Nachteil war die fehlende Klonstation. Ich prangere an, dass wir keine Möglichkeit hatten, gleichzeitig mehrere Sessions zu besuchen. Das muss sich in Zukunft ändern.

Und ich hoffe, dass sich jetzt schnell ein neuer Austragungsort für das BibCamp 7 findet.

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* Der vorletzte Teil (Teil 4) ist zur Zeit noch nicht veröffentlicht, da ich noch ein wenig am Layout bastele, kommt aber auch noch.

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#bib6 – Teil 2: Sessionbericht Citavi-Schulungen

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Das war sicher die Session* mit der klarsten praktischen Verbindung zu meinem Arbeitsalltag. Die Schulungen, die für Citavi (oder andere Literaturverwaltungsprogramme) angeboten werden, sind gefragt und sie sind sicher ein Bereich in dem wir als Bibliothekar_innen uns als Expert_innen fest etabliert haben. Das wurde auch bei dem Erfahrungsaustausch in der Session klar.

Die meisten Bibliotheken haben bei ihren Schulungen mit ähnlichen Herausforderungen zu tun. Die Anwesenden waren alle mit der Situation vertraut, vor einer Gruppe zu stehen, die einen sehr heterogenen Erfahrungshorizont hat. Neben Teilnehmer_innen, die bisher nie mit Literaturverwaltung gearbeitet haben und als erstes eine Einführung in die Installation des Programms benötigen, sitzen dann Leute, die frickelige Fragen zur Erstellung eigener Zitationsstile haben oder zum Import von Trefferlisten aus Datenbanken, die die gängigen Datenformate nicht unterstützen.

Wir haben dann verschiedene Lösungsansätze vorgestellt, die in den einzelnen Bibliotheken genutzt werden oder geplant sind:

  • Getrennte Angebote für Einsteiger_innen und Fortgeschrittene: eine Lösung, die einfach wirkt, aber den Nachteil hat, dass sie unter Umständen an den Bedürfnissen der Teilnehmer_innen vorbei geht. Diese möchten nicht warten, bis „ihre“ Veranstaltung wieder angeboten wird, sie möchten ihre Fragen dann beantwortet haben, wenn sie auftauchen, nicht wenn es in den Zeitplan der Bibliothek passt. Besonders wenn Fragen zu laufenden Projekten anstehen, deren Abgabetermin näher rückt, ist das nur verständlich. Für die Nutzer_innen, die sich nur allgemein informieren möchten, kann diese Lösung trotzdem passen.
  • Einzelberatung in Sprechstunden und/oder auf Anfrage: Einzeltermine für dringende Fragen und regelmäßige Sprechstunden können eine gute Ergänzung zu den Gruppenangeboten sein. Damit wird dem Bedürfnis der Nutzer_innen nach Beratung „Just-in time“ Rechnung getragen.
  • Teamteaching: Ein ganz anderer Ansatz, der auch noch andere didaktische Vorteile hat, ist das Teamteaching. Die Arbeit mit zwei Dozent_innen erlaubt es, auf das unterschiedliche Tempo und Vorwissen der Teilnehmer_innen einzugehen. Besonders effektiv lässt sich das sicher in einem Konzept umsetzen, dass stark auf aktivierende Methoden ausgerichtet ist, da es auch hier eine bessere individuelle Betreuung sicher stellt.
  • Support nutzen: Bei sehr speziellen oder komplexen Problemen kann es nicht schaden, auf die Unterstützung durch den Support zu verweisen. Wissenslücken sind keine Schwäche, wenn man soverän und offen mit den eigenen Grenzen umgeht.  Und auch für unsere Nutzer_innen ist es hilfreich, zu erfahren, wo sie zusätzlich schnelle und kompetente Hilfe bekommen können.

Diese Ansätze müssen nicht als entweder/oder gewählt werden, sie können sich auch sehr effektiv ergänzen. Da einige der Sessionteilnehmer_innen zur Zeit neue Wege ausprobieren und unterschiedliche Konzepte umsetzen hoffe ich auf einen guten Austausch. Eine Möglichkeit zum Austausch der Konzepte hat Patrick vorgestellt, es gibt ein Citavi-Forum speziell für Trainer_innen. Auch die Plattform Literaturverwaltung & Bibliotheken ist eine gute Ressource rund um Fragen zur Literaturverwaltung.

Oft bestehen die Gruppen in Schulungen zur Literaturverwaltungsprogrammen nicht nur aus Leuten mit unterschiedlichen Vorkenntnissen, auch die Fächer, aus denen sie kommen, unterscheiden sich stark. Das kann bei größeren Gruppen dazu führen, dass einzelne Teilnehmer_innen der Veranstaltung mit weniger Interesse folgen, wenn sie z.B. keinen Bezug zu dem gewälten Beispielprojekt sehen. Hier könnte eine Lösung die Wahl ungewöhnlicher Projektthemen sein, als Beispiele wurden Kochbücher oder Zombies (wer errät, von wem dieses Beispiel gebracht hat, bekommt vielleicht einen Keks) genannt. Eine andere Möglichkeit ist das Angebot von Veranstaltungen für spezifische Zielgruppen (z. B. „Literaturverwaltung für Mediziner_innen“ oder Besuche von Doktorandenkolloquien einzelner Fächer). Welche Lösungen hier gewält werden, hängt sicher auch von den personellen, räumlichen und zeitlichen Gegebenheiten der einzelnen Bibliotheken ab.

Eine Frage, die in dieser Session zurückgestellt wurde, da der Schwerpunkt auf Citavi-Schulungen lag, war die Frage nach anderen Literaturverwaltungsprogrammen.**  Da ich zur Zeit darüber nachdenke, wie eine Veranstaltung aussehen könnte, in der es um die Unterstützung der Nutzer_innen bei der Auswahl geeigneter Literaturverwaltungsprogramme geht, ist das vielleicht ein Thema für einen späteren Beitrag.

Inzwischen hat Matti einen ersten lesenswerten Beitrag zu den verschiedenen Sessions auf dem BibCamp 6 veröffentlicht, die sich mit dem Thema Literaturverwaltung im engeren und weiteren Sinn beschäftigt haben.

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* Da seit der Session schon eine Woche vergangen ist, enthält dieser Bericht nicht nur die Ergebnisse der Diskussion, die von Patrick geleitet und von Matti dokumentiert wurde (an beide nochmal ein großes Dankeschön für die gute Arbeit) sondern einige Gedanken, die mir seitdem gekommen sind. Außerdem möchte ich mich auf die Frage der heterogenen Zusammensetzung der Gruppen in den Schulungen beschränken.

** Es gab zu diesem Thema am zweiten Tag noch eine Session, die ich wegen der fehlenden Cloningstation leider nicht besucht habe. Ich hoffe, hier folgt noch die Dokumentation.                 

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#bib6 – Teil 3: Sessionreflexion Humor

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„Bitte nimm mich so ernst, wie ich es verdiene, und meine Äußerungen so wenig, wie sie es verdienen. Oder umgekehrt, je nach dem!“

Erinnert Ihr Euch? Vor einigen Wochen war ich auf dem BibCamp 6 und habe einiges an Elan und Ideen mitgebracht. Und dann habe ich öffentlich versprochen, mehr als zwei Blogartikel darüber zu schreiben. Obwohl ich weiß, dass mein Schreibfluß versiegt, wenn ich solche Versprechen mache. Aber heute habe ich Urlaub und Lust zu schreiben, also packe ich die Gelegenheit beim Schopfe und berichte ein wenig über die Session zum Thema Humor, die ich angeboten habe. Oder besser, ich möchte Euch hier noch einmal mein Herz ein wenig öffnen und Euch an meinen Überlegungen rund um das Thema Humor in Bibliotheken teilhaben lassen. Die inhaltliche Dokumentation der Session ist hier zu finden. Mein Storify dazu ist hier.

Erwartungsvolle Runde

Erwartungsvolle Runde

Das Thema lag für mich schon länger in der Luft. Mir fällt es so häufig schwer, sachlich und ernst zu bleiben, dass mir eigentlich nichts anderes übrig bleibt als so zu tun, als gäbe es gute didaktische Gründe dafür, Humor auch in der Vermittlung von Informationskompetenz einzusetzen. Andererseits werde ich aber auch sehr gerne mal nervös, besonders wenn ich zu häufig höre, dass das was ich tue unangemessen oder albern sei. Dann reagiere ich ein wenig wie das Kaninchen vor der Schlange und meine Veranstaltungen werden steif und öde. Daher hatte ich auch die Hoffnung, mir von Kolleg_innen in der Session Rückendeckung zu holen.

Mit einigem Abstand wird mir immer mehr klar, dass das Thema, ob und wie ich Humor beruflich einsetze sehr eng mit zwei Dingen verbunden ist. Zum einen mit der Frage der didaktischen Reduktion und zum anderen mit meinem Selbstbild als Bibliothekarin.

Wir* stehen bei unseren Veranstaltungen häufig vor dem Problem, dass  wir die Teilnehmer_innen nur für diese eine Veranstaltung sehen und glauben dann, dass wir die Gelegenheit nutzen müssen, ihnen möglichst viel Wissen zu vermitteln. Wir glauben, dass wir nur diese eine Chance haben, Studierenden alles, was sie zur Bibliothek wissen müssen beizubringen. Dabei besteht dann die Gefahr, dass wir die Ärmsten mit Folie nach Folie bombardieren, mehrere Datenbanken demonstrieren und dann nochmal ein paar Folien mehr einbauen. Da bleibt dann wenig Zeit für echte Aktivitäten der Teilneher_innen und auch nicht für den Aufbau einer Beziehung mit ihnen. Wenn Humor aber nicht nur ein Gimmick in bibliothekarischen Veranstaltungen sein soll, ist genau hier der angemessene Platz: im Aufbau einer guten Beziehung zu unseren Nutzer_innen. Neunzig Minuten reichen bei weitem nicht aus, Leuten alles über die Bibliothek zu vermitteln, aber vielleicht dazu, ihnen zu zeigen, dass wir als Bibliothekar_innen zugänglich und offen sind?  Dann müssen wir aber auch wirklich konsequent bereit sein, unsere Inhalte zu verschlanken und immer wenn wir neue Inhalte aufnehmen alte dafür aufgeben und nicht in den Trugschluß verfallen: DAS IST ABER ALLES WICHTIG! Wir können uns dann ja mal überlegen, welche anderen Möglichkeiten wir haben, dieses wichtige Wissen abrufbereit und zielgerichtet den Nutzer_innen zur Verfügung zu stellen.

Die andere Seite, die mich beschäftigt, ist mein Selbstbild als Bibliothekarin. Ich möchte natürlich nicht die fiese Person sein, deren ärgerliches „pssst“ Angst und Schrecken unter unbotmäßigen Nutzer_innen verbreitet. Wenn kichernde und schwätzende Horden neuer Nutzer_innen die Bibliothek betreten, möchte ich, dass sie mich mit einem freundlichen Lächeln an der Info sitzen sehen und sofort wissen: „Diese nette Bibliothekarin ist da um uns zu helfen, sie mag uns und daher sollten wir jetzt leise und respektvoll sein. Außerdem verhindern wir dadurch, dass sie uns mit ihren bibliothekarischen Superkräften© verfolgt und jedes Fehlverhalten auf schmerzhafte aber ironisch angemessene Art bestraft.“ Wenn mir ein_e erfahrenere Kolleg_in verreaten kann, wie ich das erreichen kann sind Vorschläge in den Kommentaren willkommen.

Und jetzt kommt eine kleine Liste von Dingen und Leuten, die mich in letzter Zeit oder schon seit längerem inspirieren:

Ich werde an dem Thema dran bleiben.

——————

*Das ist kein reiner Pluralis Majestatis sondern ein etwas schwammiges bibliothekarisches „wir“, gebildet aus meinen eigenen Erfahrungen und den Teilen von Diskussionen und Gesprächen mit Fachkolleg_innen, die mir in den Kram passen.

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#bib6 – Teil 1: Rückblick (in Listen)

Am letzten Wochenende war ich in Nürnberg auf dem BibCamp 6. Es war mein 2. BibCamp, nachdem ich im letzten Jahr schon in Köln war. Diesmal war ich nicht nur für einen Tag da, sondern habe die Gesamterfahrung gesucht und an beiden Tagen teilgenommen.

Da geht's lang.

Da geht’s lang.

Das BibCamp ist ein bibliothekarisches BarCamp, dass an jährlich wechselnden Orten stattfindet. Der Besuch im letzten Jahr in Köln hat mir interessante Anregungen und Kontakte gebracht und daher habe ich mich sehr gefreut, dass ich dieses Jahr wieder teilnehmen konnte.

Ich hatte in diesem Jahr einige Erwartungen an das BibCamp und eine nicht unerhebliche To-do-Liste aufgestellt:

  • Kontakte aus dem Netz in Natura vertiefen: Besonders über Twitter war ich schon mit einigen Menschen aus Bibliothekszusammenhängen verbunden, das BibCamp ist eine gute Gelegenheit, diese Kontakte zu vertiefen und Gesichter mit den Twitter_innen zu verbinden.
  • Neue Kontakte finden: Das erklärt sich eigentlich von selbst. Ich habe in Hamburg studiert und arbeite jetzt in Lüneburg. Das BibCamp in Nürnberg war die Chance, Menschen aus anderen Regionen zu treffen.
  • Praktische Anregungen: Ich war gespannt, ob ich Anregungen bekomme könnte, die ich schnell und praktisch im Arbeitsalltag einsetzen kann.
  • Mein Gesicht zeigen (aka eine eigene Session anbieten): Damit auch andere meinem Twitteraccount und Blog ein Gesicht zuordnen können.
  • Theoretische Anregungen: Neue Einsichten, Erfahrungen austauschen und auf Dinge gebracht werden, über die es sich lohnt auch länger nachzudenken.
  • Themen finden, mit denen ich mich tiefer auseinandersetzen kann: Dieser Punkt hängt eng mit den theoretischen Anregungen zusammen, ich wollte etwas finden, womit ich mich inhaltlich auseinandersetzen kann. Im letzten Jahr war es z.B. das Thema Verantwortung abgeben, dass mir einen neuen Blick auf einige der Diskussionen mit Kolleg_innen und Abläufe im Umgang mit Kund_innen ermöglicht hat.
  • Sessionroulette: Mindestens eine Session besuchen, zu der ich wenige oder keine Vorkenntnisse habe. Das habe ich im letzten Jahr schon gemacht, ohne den Begriff „Sessionroulette“ zu kennen, in diesem Jahr habe ich dann wenigstens schon mal einen neuen Begriff dazu gelernt.

Erstaunlich viele dieser Punkte konnte ich als erledigt abhaken:

  • Kontakte aus dem Netz in Natura vertiefen: Das war wirklich einfach.
  • Neue Kontakte finden: Auch dieser Punkt war nicht schwer.
  • Praktische Anregungen: Bei diesem Punkt habe ich im Vorfeld mit dem wenigsten Erfolg gerechnet, aber die Session zu den Citavischulungen hat da schon einige Möglichkeiten eröffnet.
  • Mein Gesicht zeigen (aka eine eigene Session anbieten): Auch diesen Punkt habe ich erfolgreich absolviert. Ich habe eine Session zum Thema „Humor in Schulungen“ angeboten. Und sowohl die Erfahrung, eine eigene Session zu leiten als auch die Diskussionen, die wir da hatten haben mir auch praktische dabei geholfen, in dieser Woche eine Veranstaltung vor 260 Studierenden zur Einführung in die Recherche zu halten. Das Minimalziel („ein Lacher pro Veranstaltung“) habe ich da wenigstens erreicht.
  • Theoretische Anregungen und Themen finden: Ein Thema, mit dem ich mich weiter auseinandersetzen werde, wird sicher der Humor in der Bibliothek sein. Auch die Bedeutung von Kreativität ist ein Thema, das vielleicht noch weitere Früchte tragen wird.
  • Sessionroulette: Das ist mir diesmal nicht völlig gelungen. Die Session, in die ich mit den wenigsten Vorerfahrungen gegangen bin war sicher die zu den wissenschaftlichen sozialen Netzwerken und da werde ich jetzt auch versuchen, ein wenig am Ball zu bleiben. Aber auch in Sessions, zu denen ich mir vorher schon etwas vorstellen konnte, habe ich neues gelernt, besonders möchte ich hier die Session zum Lego-Prototyping für neue Serviceideen und das Show and Tell erwähnen.

Wie so oft bedeutet jede erledigte To-do-Liste Raum für eine neue. Aus dem BibCamp 6 hat sich folgende Liste für die nächsten Tage, Wochen und Monate ergeben:

  • Literaturverwaltungsteaching weiter entwickeln, über unsere Citavi-Sprechstunde schreiben
  • Mich bei wissenschaftlichen sozialen Networks anmelden und diese testen (wenigstens eins)
  • Das Thema Humor zu einem Artikel verarbeiten
  • Hier im Blog generell wieder mehr schreiben
  • Twitterfavs auswerten: alles, was ich mir während des BibCamps als interessant gemerkt habe ansehen, vor allem auch Tweets vom parallelen EduCamp
  • Mehr Lachen
  • Twitter aufräumen: meine Listen aktualisieren und die neuen Kontakte verwalten
  • Meine vertieften und neuen Kontakte halten und für laufende Projekte nutzen

Einige dieser Punkte habe ich schon in Angriff genommen und ob ich hier im Blog wirklich wieder aktiver werde, könnt ihr ja selbst verfolgen.

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Immer noch ein Thema: Makulieren

Seit ich im letzten November entschieden habe, meine beruflichen ungekämmten Gedanken von den privaten zu trennen, wollte ich den Schritt vollziehen, wenn ich den ersten neuen bibliothekarischen Beitrag fertig habe. Es sollte darin ums Makulieren und um Bestandskonzepte gehen. Ich habe diesen Beitrag seitdem mehrmals umgeschrieben, fand ihn aber nie veröffentlichungsreif. Und das, obwohl ich auch hier nicht den Anspruch habe, fertige Gedankengebäude zu präsentieren, sondern ins unreine geschriebene Gedanken und Eindrücke. Trotzdem hatte ich das Gefühl, den Ton nicht richtig zu treffen und mich mit meinen in den eigenen Augen harmlosen und notwendigen Überlegungen in die Nesseln zu setzen.* Seit meinen ersten Erfahrungen mit dem Thema bei einem Projekt im Studium weiß ich aber, das es Leute gibt, die sehr empfindlich darauf reagieren, wenn die Idee präsentiert wird, dass Bibliotheken ihren Bestand kritisch unter die Lupe nehmen und Bücher, die nicht (mehr) in die Sammlung gehören mit mehr Enthusiasmus makulieren sollten. Vor allem, wenn dann noch die Überlegung kommt, dass es für einige dieser Bücher der beste Weg ist, sie endgültig zu entsorgen. Vermischt mit meinen Überlagungen zum Umgang von Bibliotheken mit unpassenden Büchern waren meine Gedanken zu meinem eigenen Umgang mit Büchern, die bei mir rumliegen und die ich nicht (mehr) lesen möchte.

Es scheint, dass ich mit diesem Beitrag zu lange gewartet habe, Dale Askey hat sich des Themas inzwischen in zwei ausführlichen und sehr lesenswerten Beiträgen auf seinem Blog angenommen. Er hat es auch sehr viel besser geschafft, den richtigen Ton zu treffen. Mir bleibt jetzt nur noch zustimmend zu nicken:

Why I no longer collect books

Why libraries should collect books

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* Und im Beitrag Weeding habe ich mich früher schon mal mit dem Thema beschäftit, dort und in dem eingescannten Praktikumsbericht habe ich dann auch noch kein Blatt vor den Mund genommen.

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